Juni 30, 2008

Birte goes Videoblog

Ruhig is es geworden, man könnte fast sagen ich bin verstummt, aber mich hat nicht die Berlinlethargie befallen, sondern ich habe mein Blog auf readme.cc abgegeben, um mich ab jetzt mit Video zu befassen.

Das wird ganz großes Kino. Ab morgen im Internet erhältlich.

Mai 29, 2008

Bürgerjournalismus auf Youtube,

wer zeigt welche Ereignisse wann und wo? Für Nachrichten nicht ganz uninteressante Fragen. Bisher durften sich mehr oder weniger große Medienanstalten darum bemühen, für uns die wesentlichen Ereignisse zu selektieren und in ein passendes Format zu gießen.
Was internationale Nachrichten angeht, sind wir auf diesen Service angewiesen, aber was ist mit den lokalen Nachrichten? Weiß ich nicht viel besser Bescheid, was für meinen Kiez wichtig ist, als private oder öffentliche Rundfunkanstalten? Wir kennen das Prinzip von Uni-Radiosendern, die ihre Angebote auf die Wünsche von Studenten münzen. Dank dem Internet können diese lokalen Nachrichten jetzt weltweit übertragen werden. Das ist jetzt nichts Neues, aber Youtube verbindet den Bürgerjournalismus mit der Aufgabe von Redaktionen: Sie selektieren. Sie suchen nach Nachrichten, die lokal, aber gut gemacht sind, die aufklären und dem Bürger eine Stimme geben.
Das Imagevideo is zwar, wie der verehrte Kollege anmerkt, für den Europäer gewöhnungsbedürftig, aber die Idee is fein.

Liebe Grüße und bis nächste Woche

Birte

Mai 23, 2008

Jetzt kommt’s zu TV,

nachdem das Internet bisher ja der größte Feind der Printmedien war, dürften sich, je weiter das Bewegtbild im Internet voranschreitet, auch bald die TV-Sender der allgemeinen Jammerdebatte anschließen. Dann wären alle traditionellen Medien wieder glücklich vereint.
Die fünfminütige zweimal wöchentlich gepostete „Soap“„Candy Girls”“ von myspace, schafft ein Format für die MTV-Clip-Generation. Schnell, sexy mit viel Haut, Kraftausdrücken und Drogen. Beachtet man die Kommentare der User, so dürfte sich das TV-Programm jedoch entspannt zurücklehnen, langweilig, ist noch einer der harmloseren Kommentare. Ihre Kernkompetenz hat dann auch das öffentlich rechtliche erkannt und entzieht sich nicht mehr dem Onlineauftritt, wie der Launch der ARD-Mediathekzeigt. Die Buchbranche hat’s vorgemacht:Droemer Knaur ist bei mir schön länger mit seinem Web-TV ein gutes Beispiel, wie man seine Bücher im Iconic Turn noch besser vermarkten kann.
Viel Spaß beim zappen im Web

Birte

Mai 20, 2008

Die Universitäten entdecken die Sprache der Blogger,

als frischgebackene Universitätsabgängerin mit einem ordentlichen Magister, habe ich eine Sache auf jeden Fall gelernt: Wenn sich Universitäten einer Sache annehmen, dann ist sie entweder etabliert, oder bereits auf dem absteigenden Ast.
Nachdem ich noch meine Linguistikprüfung über die „Sprache des Chats“ absolviert habe, wird sich die zukünftige Abschlussgeneration endlich auch mit Blogs auseinandersetzen dürfen. Die International School of Management in Dortmund (ISM) hat in einer großangelegten Studie festgestellt, dass sich Blogger besonders gerne mit dem eigenen Ich auseinandersetzen und häufig Ausrufezeichen verwenden.
Ganz ehrlich: Wer hätte das bei einem Genre gedacht, das sich an das Tagebuch anlehnt? Ich bin mal wieder schwer von der wissenschaftlichen Analytik begeistert. Da kann man nur hoffen, dass wir endlich etabliert sind. Ob mit oder ohne Ausrufezeichen.
Olé
Birte

Mai 20, 2008

Der neue Journalist,

mein Lieblingsvideoblogger der elektrische Reporter hat mal wieder ein wahres Lehrstückinterview mit )Jeff Jarvis geführt.
Hier wird alles behandelt, was der Journalist des 21. Jahrhunderts schon immer wissen wollte: Was sind seine Aufgaben? „Lehrer, Dienstleister, Vermittler“ (ja, der Schreiber tritt hier ziemlich in den Hintergrund), Wie geht man mit den neuen, so eigenständigen Lesern und ihrer Erwartungshaltung um? Man sollte, statt immer nur die negativen Seiten der neuen Meinungsmacht zu bedauern, die guten Kommentare herauspicken und die Schreiber derselben zu weiteren Meinungsbekundungen ermutigen.
Alles sehr weise gesprochen. Auch seiner Begeisterung für twitter, dem ich auch nicht abgeneigt bin kann ich nur zustimmen. Ich würde einigen deutschen Journalisten durchaus zu Besuchen seiner Journalistenkurse raten. Schaden kann’s sicher nicht.

Bis nächste Woche

Birte

März 27, 2008

Schön is Programm

nein ich rede nicht von den neuesten Botoxanwendungen aus Hollywood, sondern von Büchern, besser gesagt von Kunst- bzw. Fotografiebüchern, die man in Berlin bei „Bildschöne Bücher“ bewundern kann.

Ein Buchladen, dessen Konzept darin besteht die Cover der Bücher wie Bilder auszustellen ist jetzt vielleicht nicht gerade die bahnbrechende Neuigkeit (wenn ich auch zugeben muss, dass mehrere Buchhandlungen nach dem Prinzip „less is more“ gehen könnten), aber die Geschichte dieses Buchladens lässt das Ganze zur Story werden.

Entstanden ist Laden nämlich aus dem Internet. Die bahnbrechende Seite 25 Books  wurde zu einem solchen Erfolg, dass sich der Betreiber dachte, man könnte das haptische Erlebnis doch oben draufpacken und eröffnete den Buchladen plus Galerie in der Brunnenstraße. Mittlerweile gibt es den passenden Verlag sowie eine Agentur, die das ästhetische Portfolio abrunden.

Dem geneigten Leser sei das kurze Filmchen bei Monocle ans Herz gelegt .

Wie schön, dass die Buchhandlung laut googlemaps nur 12 Minuten entfernt liegt.
 

Bis die Tage

Birte

März 19, 2008

Der Feind in meinem Blog?

Die Meinungsfreiheit ist ja so eine Sache. Zu viel davon in den falschen Händen, und man hat Kommentare auf der Seite, für die das Wort „rassistisch“ noch milde ist. Ob man jedoch, wie die Süddeutsche Zeitung mit einer unglaublichen Begeisterung (Die neue Idiotae Web 0.0 ), den “Loser Generated Content”  mit dem Hinweis auf „internetvictims“ ausrufen muss und sich wieder nach alten Eliten sehnt, sei dahingestellt.

Da selbst Blogger teilweise dazu neigen ihre Kommentarfunktion zu sperren oder wie Stefan Niggemeier es dem Leser überlassen, ob er sich die Many-to-many-Kommunikation zu Gemüte führen will, ist die Frage nach einem neuen Handling mit der Kommentare durchaus berechtigt.

Nur: Wie weit soll diese „Zensur“ gehen? Löscht man unliebsame Kommentare, weil sie den Journalisten hart angreifen, oder greift man erst ein, wenn es zu offenen Verleumdungen und juristisch schwierigen Meinungen (schließlich haftet der Blogger für die Kommentare seiner Leser) kommt?

Wo hört Meinungsfreiheit auf und fängt Persönlichkeitsschutz an? Bevor alle auf das Web 2.0 wettern und dem „Plebs“ gute Qualität von vorneherein absprechen, sollte man sich in einer ruhigen Minute klar werden, dass dieses Problem nun wahrlich keines des Internets ist. Die Boulevardpresse kennt dieses Thema zu genüge und das Bundesverfassungsgericht musste bisher nicht nur bei Klagen von Prinzessinnen ein Machtwort sprechen.
 

Irgendwie wird man sich auch in der Welt des „Mitmachnetz“ einigen. Sei es über eine Netiquette, die einen gewissen Wertkonsens garantiert oder man leistet sich einen „Readers Editor“, der die Kommentare erst einmal scannt, bevor sie „on air“ gehen. Wozu man sich auch immer entschließt: eine Rückkehr zu einem kommentarlosen Internet erinnert mich dann doch zu sehr an ungute Zensur.

 

Birte   

März 12, 2008

Sex sells

mit diesem Aufmacher werde ich vermutlich mehr Klicks generieren, als bei anderen Einträgen. Mehr bekäme ich vielleicht mit „digitale Lust“, aber dann würde ich von anderer Seite Probleme bekommen.

Dem Online-Journalisten-Ego tut’s auf jeden Fall gut, wenn der eigene Artikel in der Gunst des Lesers steigt, denn das bekommt er unmittelbar mitgeteilt und hat in der nächsten Redaktionssitzung eine Sorge weniger.

Kulturkritiker unter uns, können ihren Ärger jedoch schon vorzeitig runterschlucken, denn in Zukunft, so ein sehr lesenswerter Artikel in der ZEIT , werden sich die Werbeeinahmen nicht mehr an den reinen Klicks orientieren, sondern laut den Marktforschern Nielsens Netratings, an der Verweildauer des Lesers.

Eigentlich ist das alles andere als verwunderlich, denn wer klickt auf Bildstrecken mit dem Titel „Die heißesten Frauen“? Der potenzielle BMW-Käufer? Vielleicht, aber vermutlich wird dieser doch eher bei langen Textstrecken zu finden sein, und die generieren nun einmal wenig Klicks, aber eine hohe Verweildauer.

Für den User ist dieses Umdenken allemal von Nutzen, denn nichts ist nerviger, als eine „klick-geil“ aufgebaute Seite, bei der nicht der Ansatz eines Leseflusses aufkommt.
 

Viel Spaß beim Eintauchen in eine nicht-klickbare Literatur wünscht:

Birte  

März 12, 2008

Der Leser als Lektor,

 

das Netz wird ja meist als Distributionskanal genutzt (siehe amazon). Seitdem wir aber, wie ich kürzlich auf einer Konferenz gelernt habe, in der Recommendation-Generation leben, wird alles, was der Mensch braucht gerankt und empfohlen (siehe del.icio.us, holidaycheck, qype etc.).

Noah Wardrip-Fruin, Assistenz- Professor für Kommunikation an der University of California in San Diego, geht einen Schritt weiter, indem er Teile des Manuskripts von seinem Buch „Expressive Processing: Digital Fictions, Computer Games, and Software Studies“ auf dem Blog von „Grand Text auto“ stellt und diese von den Lesern kommentieren lässt, also eine “blog-based peer review” startet. Diese vergleicht er dann mit den traditionellen Vorkritiken und überarbeitet daraufhin sein Manuskript.

Für wissenschaftliche Bücher könnte dieses Vorgehen sicherlich bald zum Standardprogramm werden. Sobald das richtige Blog für die Zielgruppe gefunden wird, finden sich auch die Spezialisten zu diesem Thema und die wissen vieles einfach besser, als die herkömmlichen Lektoren.

Auch wenn ich nicht glaube, dass sich dieses Prinzip auch auf die Belletristik übertragen lässt, ziehe ich meinen Hut vor diesem Experiment.

März 12, 2008

Wie viele Communities braucht der Mensch?

 

Ich bemühe mich ja redlich in der Welt des Web 2.0 zu bestehen. Ich lese täglich Blogs, bin in einigen Communities meines Vertrauens und lasse mich schnell von neuen kleinen Spielereien begeistern. Aber ich steige einfach nicht mehr durch.

Braucht man einen Zugang zu Facebook, StudiVZ (SchülerVZ und seit gestern meinVZ), Xing und Lokalisten? Oder anders gefragt: Wo ist denn da der Unterschied?

Diese „alles in allem Communities“, bei denen es hauptsächlich darum geht, möglichst viele „Kontakte“ zu haben (Ob man hier wirklich noch von sozialen Kapital sprechen kann, sei dahingestellt) sind mir jedenfalls hoch suspekt.

Da werden Beziehungen öffentlich bis zum Heiratsantrag ausgetragen, man sieht Bilder von der Oma, die das vielleicht gar nich so dolle findet und schreibt sich in die Gruppe „Ich glühe härter vor, als du Party machst“ ein, auf das der zukünftige Arbeitgeber gleich weiß, was er sich ins Haus holt. Dem Voyeur sind keine Grenzen gesetzt und es ist besser als Fernsehen. Als Sahnehäubchen oben drauf gibt’s dann auch noch personalisierte Werbung.

Einerseits schimpfen alle auf Google und seine Machenschaften und gleichzeitig tragen wir unser Leben ganz ungeniert und für jedermann zur Schau.

Verkehrte Welt, aber irgendwie auch eklig schön.